
Fallakte Datenrettung: iPhone 15 Pro im Pool versenkt – alle Daten gerettet
Ein echter Fall aus der SmartDoc-Werkstatt am Johannestor · iPhone 15 Pro · Pool · alle Daten gerettet
Ein Nachmittag im Garten, ein Pool, ein junger Mann beim Baden – und das iPhone 15 Pro landet im Wasser. Als es bei mir auf dem Tisch lag, ging nichts mehr. Kein Bild, kein Ladesymbol, kein Lebenszeichen.
Zwei Wochen später lief es wieder, gerade gut genug für das Einzige, worauf es ankam: Der Besitzer konnte selbst ein vollständiges Backup ziehen. Jedes Foto, jeder Chat, jeder Kontakt. Wie das ging, was es gekostet hat und welche gut gemeinten Rettungsversuche die Sache beinahe verdorben hätten, steht in dieser Fallakte.
Inhalt dieser Fallakte
- Was war passiert?
- Reis, trocknen, laden: warum die ersten Rettungsversuche geschadet haben
- „Das iPhone ist doch wasserdicht“
- Schritt 1: Zerlegen und Bestandsaufnahme
- Schritt 2: Reinigung auf Chip-Ebene
- Schritt 3: Der Lower-Board-Swap
- Schritt 4: Das Backup – und ein ehrlicher Rat
- Was die Datenrettung gekostet hat
- Was du nach einem Wasserschaden sofort tun solltest
Was war passiert?
Das Gerät ist beim Baden im Garten in den Pool gefallen. Das ist der ganze Hergang, und er ist typischer, als man denkt: Wasserschäden passieren selten bei Unwettern und fast immer in Momenten, in denen niemand an das Handy denkt.
Wichtiger als der Sturz ins Wasser ist, was danach kam. Denn zwischen dem Pool und meiner Werkbank lagen mehrere Tage, in denen das iPhone weiter Schaden genommen hat.
Reis, trocknen, laden: warum die ersten Rettungsversuche geschadet haben
Der Besitzer hat getan, was fast jeder tut: das iPhone in Reis gelegt, es trocknen lassen und dann versucht, es zu laden und einzuschalten. Ich mache daraus niemandem einen Vorwurf, denn genau das steht in tausend Ratgebern. Es ist trotzdem die Reihenfolge, die Daten kostet.
| Versuch | Was man sich davon erhofft | Was tatsächlich passiert |
|---|---|---|
| Reis | Der Reis zieht die Feuchtigkeit heraus | Reis trocknet höchstens die Außenseite. Das Wasser unter den Abschirmblechen und zwischen den Platinenebenen bleibt, wo es ist. |
| Trocknen lassen | Wenn es trocken ist, läuft es wieder | Das Wasser verdunstet, die gelösten Stoffe bleiben auf der Platine zurück. Die Korrosion arbeitet weiter, auch im trockenen Gerät. |
| Laden und starten | Vielleicht geht es ja doch noch | Strom auf einer feuchten oder verunreinigten Platine erzeugt Kurzschlüsse und beschleunigt die Korrosion. Das ist der Schritt, der am meisten zerstört. |
Aus der Werkstatt: Jeder Ladeversuch nach einem Wasserschaden ist ein Würfelwurf gegen die eigenen Daten. Wenn dir die Fotos wichtig sind: nicht laden, nicht einschalten, bringen. Die Diagnose kostet nichts.
„Das iPhone ist doch wasserdicht“
Das iPhone 15 Pro ist nach IP68 gegen Wasser geschützt. Das ist ein Laborwert für ein neues Gerät in klarem Süßwasser, kein Versprechen für den Alltag. Dichtungen altern, ein früherer Sturz kann den Rahmen minimal verzogen haben, und Poolwasser ist durch Chlor und Zusätze aggressiver als das Wasser, mit dem getestet wird.
Dazu kommt: Flüssigkeitsschäden sind von der Herstellergarantie ausgenommen. Wer sich auf die Schutzklasse verlässt, steht im Schadensfall also ohne Anspruch da.
Schritt 1: Zerlegen und Bestandsaufnahme
Bei einem Wasserschaden wird nicht von außen geraten. Ich habe das iPhone komplett zerlegt, um zu sehen, wie weit das Wasser gekommen ist und wo die Korrosion sitzt.
Zur Bestandsaufnahme gehört die Wärmebildkamera. Sie zeigt, an welchen Stellen die Platine unter Strom heiß wird, und damit, wo ich suchen muss.

Bei diesem Gerät war schnell klar, dass es um die Hauptplatine geht. Damit war auch das Ziel klar: nicht das Telefon retten, sondern die Daten. Das ist ein Unterschied, der die ganze weitere Arbeit bestimmt.
Schritt 2: Reinigung auf Chip-Ebene
Die Platine wurde auf Chip-Ebene gereinigt. Das heißt: Abschirmungen herunter, Korrosion und Rückstände unter dem Mikroskop entfernen, auch dort, wo sie unter und zwischen den Bauteilen sitzen. Erst wenn die Platine sauber ist, lässt sich überhaupt beurteilen, welche Bereiche noch arbeiten und welche nicht.


In vielen Fällen reicht dieser Schritt, damit ein Gerät wieder startet. Hier hat er nicht gereicht.
Schritt 3: Der Lower-Board-Swap
Die Hauptplatine des iPhone 15 Pro besteht aus zwei Ebenen, die aufeinandergelötet sind. Bei diesem Gerät war die untere Ebene nicht mehr zu retten. Die Lösung heißt Lower-Board-Swap: Die beiden Ebenen werden voneinander getrennt, die defekte untere wird durch eine intakte aus einem Spendergerät ersetzt und mit der oberen des Kunden wieder verbunden.

Warum dieser Aufwand, statt einfach den Speicher auszulesen? Weil das beim iPhone nicht geht. Die Daten sind verschlüsselt, und der Schlüssel hängt an den Bauteilen genau dieser Platine. Ein ausgebauter Speicherchip ist außerhalb seines Geräts wertlos. Datenrettung beim iPhone bedeutet deshalb immer: Die originale Platine muss noch ein einziges Mal starten.
Genau das hat sie nach dem Swap getan.
Schritt 4: Das Backup – und ein ehrlicher Rat
Ich habe das iPhone so weit instand gesetzt, dass der Kunde sein Backup selbst ziehen konnte. Das ist mir bei einer Datenrettung der liebste Weg: Die Daten gehen vom Gerät direkt in seine Hände und nicht über meinen Tisch.
Das Ergebnis: ein vollständiges Backup. Alle Daten konnten gerettet werden, nichts hat gefehlt.
Zur Ehrlichkeit gehört der zweite Teil. Die Beschädigung war so groß, dass ich von einer weiteren Nutzung abgeraten habe. Ein Gerät mit einem Wasserschaden dieser Größenordnung kann morgen wieder ausfallen, und dann ohne Vorwarnung. Es hat seine letzte Aufgabe erfüllt, nämlich die Daten herauszugeben. Als Alltagshandy taugt es nicht mehr.
Was die Datenrettung gekostet hat
| Position | In diesem Fall |
|---|---|
| Diagnose | kostenlos |
| Datenrettung mit Reinigung auf Chip-Ebene und Lower-Board-Swap | 400 € |
| Dauer | 2 Wochen |
| Ergebnis | vollständiges Backup durch den Kunden, alle Daten gerettet |
| Gerät danach | Weiternutzung nicht empfohlen |
| Wenn nichts zu retten gewesen wäre | 0 € – No fix, no fee |
400 Euro sind das obere Ende. Eine Datenrettung in Erfurt beginnt bei mir bei 99 Euro, und viele Fälle bleiben in dieser Nähe, weil eine Reinigung genügt. Ein Board-Swap braucht ein passendes Spenderteil und Arbeit unter dem Mikroskop, das erklärt Preis und Dauer.
Den Preis nenne ich nach der Diagnose und bevor ich anfange. Und er gilt nur, wenn ich die Daten tatsächlich bekomme.
Was du nach einem Wasserschaden sofort tun solltest
- Ausschalten, falls das Gerät noch an ist. Nicht „kurz testen“.
- Nicht laden. Auch nicht kabellos.
- Kein Reis, kein Föhn, keine Heizung. Wärme treibt die Feuchtigkeit tiefer ins Gerät.
- Außen abtrocknen und das Gerät so lassen, wie es ist.
- So schnell wie möglich in die Werkstatt. Jeder Tag gibt der Korrosion mehr Zeit.
Die ausführliche Fassung mit allen sieben Sofortmaßnahmen steht im Ratgeber Handy Wasserschaden: Was tun?. Wenn das Gerät selbst wieder laufen soll, ist die Wasserschaden-Reparatur der richtige Einstieg.
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